Vegan auf dem Balkan I: Kroatien und Bosnien-Herzegowina

Wenn römisch-katholische Familienoberhäupter in Kroatien plötzlich mit einem Vegetarier konfrontiert sind, dann ist für sie klar: Es muss ein Muslim in geheimer Mission sein… So ist es laut Jagoda Marinić und ihrer „Gebrauchsanweisung für Kroatien“ zum Glück nicht mehr. Okay, aber was ist mit Veganern?

Der erste Eindruck in Zagreb: Die Stadt macht es Veganerinnen und Veganern einigermaßen leicht: Es gibt mehrere vegetarische und vegane Restaurants – bei denen man auch für ca. 5-10 Euro ein Menü bekommt. Ein Tofu- oder Seitan-Burger im greenpoint z.B. (Varšavska ul. 10) zum Beispiel kostet etwa 4 Euro (27 Kuna), mit gegrilltem Gemüse 5,50 Euro. Ein Alternative ist das Restaurant Vegehop (Vlaška ul. 79) oder auch die Kette good food, die einige vegane Speisen auf der Karte hat (zum Beispiel den Falafel-Salat Arabian dream). Daneben gibt es jede Menge vegane Lebensmittel zu kaufen – vor allem in deutschen Geschäften wie dm, Müller und Spar, die es hier an so ziemlich jeder Ecke gibt. Auch mehrere Filialen des Bioladens bio&bio sind in Zagrebs Zentrum zu finden, die vegane ausländische Markenprodukte (Aufstriche, Milch-Alternativen…) im Angebot haben. Leider ist der Preis meist deutlich höher als im deutschen Bio-Laden. Trotzdem ist alles da, was die Veganerin zum Leben braucht!

Auf Plastik zu verzichten ist etwas schwieriger. Bei good food wird der arabische Salat in Plastikschale und mit Plastik-Gabel serviert. Und auch bei greenpoint bekommt man Plastik-Besteck. Auch Müsli gibt es nur im Plastik-Beutel – das ist in Zagreb nicht anders als in Ludwigsburg…

Split hat (mindestens) zwei rein vegane Imbisse: Marta’s Veggie Fusion liegt mitten in der Altstadt, nicht weit vom Diokletian-Palast. Der Laden ist sehr hipp, es läuft Lounge-Musik und man trifft dort sehr viele Backpacker. Es gibt Burger, Falafel, Salate, Suppen, Kuchen. Sehr nette Atmosphäre und sehr nette Mitarbeitende. Zur Mittagszeit kann es aber schnell voll werden, der Laden ist ziemlich klein. Weniger stylisch, dafür aber gemütlich und etwas günstiger ist das Vege Fast Food am Grünen Markt. Hier gibt es auch den klassischen Tofu-Burger, aber außerdem vegane Hausmannskost. Man kann der Inhaberin beim Kochen in die Pfannen schauen. Ein kleiner, sehr einfacher Imbiss, wo man sehr gut vegan essen kann. Daneben gibt es viele Restaurant, die mehrere vegane Gerichte auf ihrer Karte haben. Man kommt also sehr einfach und sehr lecker durch den Tag – und auch ohne Plastik-Besteck!

In Mostar gibt es kein rein veganes Restaurant, aber trotzdem ein paar Cafés und Restaurants mit einzelnen veganen Gerichten. Das Tecó ist ziemlich weit draußen, von der Alten Brücke läuft man etwa 20-25 Minuten. Leider gab es auch nicht (mehr?) so viele vegane Sachen auf der Karte. Aber was ich gegessen habe, war sehr sehr lecker: ein Genüse-Auflauf und als Dessert einen Schoko-Kokos-Cookie zum Espresso. Hmmmm… Auch im Food House, direkt in der Altstadt, gibt es ein paar vegane Gerichte oder sie werden auf Nachfrage vegan gemacht.

Im Falafel-Restaurant in der Altstadt von Sarajevo ist – mit zwei Ausnahmen – alles vegan. Im Angebot sind – wie der Name erwarten lässt – typisch arabische Speisen: Falafel in verschiedenen Varianten – mit Fatoush-Salat unglaublich gut, Hummus-Variationen und vieles mehr. Hier kann man recht günstig essen (umgerechnet zwischen 2,50 – 6 Euro). Es gibt auch einen veganen Imbiss in der Stadt „Zdravo“, zu dem ich es leider nicht geschafft habe, und mehrere Restaurants, die vegane Speisen auf der Karte haben.

Fazit: In Zagreb, Split, Mostar und Sarajevo kann man in ausgewählten Restaurants sehr lecker und abwechslungsreich vegan essen, es gibt in vielen Supermärkten u.a. Sojamilch zu kaufen und in Kroatien auch Bioläden mit umfangreichen Sortiment. Daneben gibt es überall auch Filialen der deutschen Drogerie-Kette dm mit vielen veganen Produkten – allerdings sind die meist deutlich teurer als in Deutschland. Insgesamt muss man aber als Veganer/in auf nichts verzichten! Da man außerdem überall das Wasser aus dem Hahn trinken kann, ist es möglich, weitgehend auf Plastik zu verzichten – denn Wasser gibt es meist nur in Plastikflaschen zu kaufen.