Vegan auf dem Balkan II: Serbien und Kosovo

Nikolaj, der Hostel-Besitzer in Belgrad, zieht die Augenbrauen hoch: Ein veganes Restaurant? Da könne er mir leider nicht weiterhelfen. Er esse nur Fleisch und Tomaten – sonst nichts. Sagt er und grinst… Tatsächlich ist die serbische Küche – wie in anderen slawischen Ländern auch – sehr fleischlastig. Trotzdem bietet die Metropole Belgrad natürlich auch Veganer/innen so einiges.

Okay, nach zwei Wochen musste das mal wieder sein: Tofu-Gemüse mit Reis beim Asia-Imbis. Der Super Vok ist zentral gelegen (nahe dem Platz der Republik in Belgrad) und hat einige vegane Varianten im Angebot – eine kleine Portion kostet umgerechnet etwa 3 Euro). Ein interessantes Café ist das Zadruga. Es setzt komplett auf regionale Bio-Produkte. Eine Spezialität des Hauses sind vegan-rohe Kuchen (mein Apfelkuchen war super!). In Belgrad findet man außerdem vegane Kioske, wo man sich mit vielen gesunden Lebensmitteln eindecken kann (tolle Alternative zum unwillkürlichen dm, der einen auch hier fast an jeder Ecke erwartet). Es gibt in Belgrad auch rein vegetarisch-vegane Restaurants (das Mandala zum Beispiel, eher hochpreisig). Mein Hostel-Gastgeber Nikolaj hatte sich aber in der Zwischenzeit schlau gemacht und empfahl mir das einfache serbische Restaurant „Gradska“ gleich um die Ecke. Dort könnten sie mir eine vegane Variante des serbischen Bohnengerichts Prebranac zubereiten (natürlich hatte er das schon mit dem Küchenchef besprochen…). Und Salate gab es dort auch jede Menge. Der Service-Mitarbeiter hat sich jede Menge Zeit für mich genommen und hatte sichtlich Spaß, mich in Sachen „veganisierbare“ Speisen zu beraten. Danke Nikolaj für den tollen Tipp!

Wer als Veganer/in nach Priština kommt, der sollte im green & protein (Adresse: rr. Rexhep Luci 56) vorbeigehen. Toller, moderner Laden mit umfangreicher veganer Speisekarte. Hier gibt es vegane Salate und Suppen genauso wie Burger und Tortillas. Sehr empfehlenswert! Ansonsten sieht es leider etwas dürftig aus: Es gibt noch ein Thai-Restaurant in Priština, das vegane und vegatarische Speisen serviert. Andernorts muss man sich mit Salaten oder Sandwiches zufrieden geben, bei denen man den Käse etc. weglässt (im Papirun zum Beispiel). Auch Prizren ist (noch?) nicht wirklich veganfreundlich. Mein Hostel-Gastgeber Edy schaut bei meiner Frage erst etwas ratlos. Dann telefoniert er rum und nennt mir schließlich das Restraurant Ambiente, das seinem Namen nach nicht zu viel verspricht: Es liegt sehr romantisch etwas oberhalb des Flusses „Bistrica e Prizrenit“ und bietet einen grandiosen Blick über die Stadt. Dort könne man mir vielleicht etwas Veganes kochen. Die Mitarbeiter sind überaus freundlich und auch neugierig (kein Fleisch und keinen Käse? Freiwillig? Ohne medizinische Gründe?). Aber mehr als einen griechischen Salat ohne Feta bekomme ich hier nicht. Dafür nehme ich ein sehr nettes Gespräch über das Leben in Kosovo mit. Und einen Bioladen gibt es in der Stadt auch. Nicht nur deswegen hat mir Prizren ausgesprochen gut gefallen, auch wenn man beim veganen Essen ein paar Abstriche machen muss. Aber dann ist halt selbst kochen angesagt…