Kroatien

Reise

„Sag auf keinen Fall Balkan!“ Wer Kroatien besucht und mit Einheimischen ins Gespräch kommt, versteht schnell: Mit „echten“ Balkanländern wie Bosnien und Herzegowina oder Albanien möchte man hier nicht in einen Topf geworfen werden. Die Architektur von Split erzählt eine abwechslungsreiche Geschichte: von Griechen, Römern, Byzantinern, Venezianern, Habsburgern… So reizvoll die Stadt ist, so viele Touristen zieht sie an. Erstaunlicherweise schieben sich durch Zagrebs Straßen auch viele – besonders asiatische – Touristengruppen. Seit sich Kroatien bei der Fußball-WM 2018 furios ins Finale gespielt hat, habe man in China dieses unbekannte kleine Land entdeckt und starte die Sightseeing-Tour bevorzugt in der Hauptstadt, erzählt mir Ella aus Hongkong. Im Vergleich mit Split ist Zagreb weniger spektakulär, hat aber – eher auf den zweiten Blick – auch manches zu bieten. Das Habsburger Erbe ist im Zentrum nicht zu übersehen – nicht umsonst trägt die kroatische Hauptstadt den Spitznamen „little Vienna“. Leider ist auch sichtbar, dass das Land eine konservative Wende erlebt. So zum Beispiel am 25. Mai 2019, als tausende Abtreibungsgegner bei den so genannten „Märschen für das Leben“ in Zagreb, Split und Zadar auf die Straßen gingen. Bisher sind Abtreibungen in Kroatien laut Gesetz aus dem Jahr 1978 bis zur 10. Woche legal. Das gegenwärtige gesellschaftliche Klima führt aber dazu, dass viele Ärzte Abtreibungen aus „Gewissensgründen“ ablehnen und Frauen Probleme haben, einen Arzt zu finden. Die Demonstration erinnerte an einen Nationalfeiertag – wo man hinschaute, wehten kroatische Nationalflaggen. Dass am nächsten Tag Europawahlen stattgefunden haben – davon hat man in der kroatischen Hauptstadt nichts gemerkt. Wahlplakate? Fehlanzeige!