Bosnien und Herzegowina

Reise

Die Wunden des Krieges, der in Bosnien und Herzegowina von 1992 bis 1995 gewütet hat, sind allgegenwärtig. Die alte Brücke in Mostar, die im Krieg 1993 durch kroatischen Beschuss komplett zerstört wurde, ist zwar längst wieder aufgebaut. Aber immer noch ist Mostar eine geteilte Stadt. Westlich des Flusses Neretva leben die Kroaten, östlich des Ufers die Bosniaken. Überall in der Stadt stehen Ruinen als Mahnmal des Krieges. Symptomatisch für das anhaltend schwierige Verhältnis der Ethnien untereinander: Als in einem Park ein Denkmal errichtet werden sollte, konnte man sich aufgrund ethnischer Konflikte auf keine historische Figur einigen. Am Ende fiel die Wahl auf die Kung-Fu-Legende Bruce Lee, weil ihn alle mögen – Kroaten genauso wie Bosniaken und Serben.

Zu Sarajevo fallen einem besonders drei Ereignisse ein: das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand im Juni 1994, in dessen Folge der Erste Weltkrieg ausbrach; die Olympischen Winterspiele 1984 und die Belagerung 1992-1995 durch die Armee der bosnischen Serben während des Bosnienkriegs. Fast unvorstellbar, wie die Menschen über drei Jahre lang in der Stadt ausgehungert und beschossen wurden – und die internationale Gemeinschaft es geschehen ließ. Sarajevo ist auch eine Friedhofsstadt. Wenn man die Stadt von oben betrachtet, sieht man überall die Gräberfelder mit den weißen Grabsteinen, auf denen die Todesjahre 1992, 1993, 1994, 1995 eingraviert sind.